Erläuterungen der Kandidaten für die Österreichischen Wörter und Sprüche des Jahres 2018

1. Die Kandidatenwörter für das Wort des Jahres 2018

1.  BVT-Affäre

Affäre rund um das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbe­kämpfung, in deren Verlauf eine schwer bewaffnete Polizeitruppe eine Hausdurchsuchung durchführte und geheime Daten beschlagnahmte.

2.  Digitalisierung

Ein Wort, das praktisch jede/n in irgendeiner Form betrifft – von der Arbeitswelt bis zum Ticketkauf bei den Öffis.

3.  Ehe für alle

Durch ein Urteil des Verfassungsgerichtshofs eingeführtes Recht, wonach auch gleichgeschlechtliche Paare eine Ehe vor dem Standesamt eingehen können.

4.  Gaulreiter

Alternativer Ausdruck für einen Innenminister, der darauf besteht, dass eine berittene Polizeieinheit eingerichtet wird.

5. Klimakatastrophe

Das Wort spricht für sich und ist rund um den Globus bereits traurige Realität

6.  #MeToo

Name der Bewegung, die sexuelle Übergriffe (besonders) in der Arbeitswelt thematisiert und eine Protestwelle ausgelöst hat.

7.  Nichtrauchervolksbegehren

Überaus erfolgreiches Volksbegehren, das mit fast 900.000 Unterschriften die Rauchfreiheit in Lokalen verlangt und trotzdem von der derzeitigen Regierung gesetzgebend nicht umgesetzt wird.

8. Orbanisierung

Politischer Vorgang, der von rechtsgerichteten Parteien ausgeht und bei dem die pluralistische Demokratie nach und nach in ein autoritäres politisches System umgeformt  wird.

9. Ponyzei

Origineller Ausdruck für die geplante berittene Polizeitruppe.

10.  Schweigekanzler

Bezeichnung für einen Bundeskanzler, der zu wichtigen politischen Ereignissen und auch zu politisch befremdlichen Aussagen von Funktionären des Koalitionspartners nichts sagt und diese damit indirekt billigt.

 

2. Die Kandidatenwörter für das Unwort des Jahres 2018

 

1. Anlandeplattform

Verhüllender Begriff des Bundeskanzlers für Lager in nordafrikanischen Ländern, in denen künftig Flüchtlinge interniert werden sollen. Sie sollen dort um Asyl ansuchen müssen, damit sie als Flüchtlinge nicht nach Europa gelangen.

2.  Arbeitszeitflexibilisierung

Begriff, der die Möglichkeit zur Verlängerung der Normalarbeitszeit auf 12 Stunden pro Tag und damit eine potenzielle Verschlechterung der Arbeitsbedingungen verhüllend umschreibt.

3.Datenschutzgrundverordnung

Name der EU-Verordnung, mit der private Daten geschützt werden sollen, die jedoch zu großem bürokratischen Aufwand führt, ohne dass das gewünschte Ziel breitflächig erreicht wird.

4. Einzelfälle

Wiederkehrende Entschuldigung der FPÖ für oft menschenverachtende bzw. hetzerische Aussagen mancher ihrer Funktionäre. Mittlerweile ist eine große Zahl solcher „Einzelfälle“ dokumentiert, daher wird der Ausdruck auch sarkastisch verwendet.

5. Funktionärsmilliarde

Begriff der Regierung, wonach durch die Verringerung der Zahl der (großteils) ehrenamtlich arbeitenden Funktionäre der Krankenkassen eine Milliarde Euro eingespart werden könne. Motto: eine „Patientenmilliarde statt einer Funktionärsmilliarde“. Rechnungshofpräsidentin Kraker hat dies als unzutreffend bezeichnet: „Es fehlen transparente und nachvollziehbare Berechnungsgrundlagen.“

6. Gold-plating

Versuch der österreichischen Bundesregierung bis zu 489 nationale Standards auf das Niveau der EU-Mindestvorgaben zu senken und damit (de facto) zu verschlechtern.

7. konzentrierte Unterbringung

Innenminister Kickl will Asylwerber "konzentriert an einem Ort halten“, um die Verfahren zu verkürzen. Den Anklang an die „NS-Konzentrationslager“ nimmt er in Kauf, denn das „sei keine Provokation“.

8. Listenhund

Tier einer Hunderasse, die als "Kampfhunde", "auffällige" Hunde bzw. als „Hunde mit erhöhtem Gefährdungspotential“ auf der Liste der gefährlichen Hunde steht.

9.  Neuer Stil

Schlüsselbegriff der derzeitigen Bundesregierung, mit dem ausgedrückt werden soll, dass sie öffentlich nicht streitet und konsequent arbeitet. „Was wir uns vorgenommen haben, wird zügig umgesetzt" – selbst wenn es dagegen massiven Widerstand gibt.

10. stichhaltige Gerüchte

Ausspruch von FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus zu  US-Milliardär G. Soros, wonach dieser „Migrantenströme nach Europa unterstütze“. Mit dem Attribut „stichhaltig“ wird versucht, nicht abgesicherte bzw. falsche Annahmen als Fakten zu tarnen. Zugleich schließen sich die Begriffe „stichhaltig“ und „Gerücht“ gegenseitig aus.

3. Kandidatenwörter für das Jugendwort des Jahres 2018

1. Appler

Eine Person, die mit ihrem Apple-Produkt angibt, also ein Apple-Prahler.

2. Bellgadse

„Gadse“ ist die lautmalerische Aussprache des Wortes „Katze“. Eine „Bellgadse“ ist eine Katze, die wie ein Hund bellt. Mit einem Wort: Das Kunstwort bezeichnet Hunde als bellende Katzen. Alles klar?

3. fly sein

Wenn man gut drauf ist und dass man selbst relaxed ist.

4. gespidert

Zustand des Display eines Handys, nachdem es zu Bruch gegangen ist. 

5.  ghosten

Wenn der Dating-Partner das Interesse an jemandem verloren hat, kann es schnell dazu kommen, dass er/sie "ghostet", d.h. er/sie wird dann in der Dating App unsichtbar.

6. nice

Universelles Füllwort, das überall eingesetzt werden kann und damit unverwüstlich ist.

7. Oida

Urösterreichisches Wort mit zahlreichen Bedeutungen, dessen Verwendung von der Wiener Polizei neuerdings als „Anstandsverletzung“ betrachtet wird.

8. ragequit

In der Gaming-Szene eine besonders aufbrausende Art, ein laufendes Online-Spiel zu verlassen.

9.  Selfmord

Durch ein Selfie zu Tode kommen bzw. extrem viele Selfies machen.

10.  zuckerbergen

Abgeleitet vom Namen des Gründers von “Facebook” Mark Zuckerberg. Bedeutet jmd. „stalken“, beharrlich verfolgen.

 

4. Die Kandidaten für den positiven Spruch des Jahres 2018

 

1. Frau Minister, was ist mit Ihnen?!

Emotionale Frage von Matthias Strolz, dem früheren Vorsitzenden der NEOS, an Gesundheitsministerin Hartinger-Klein während der Diskussion des Initiativantrages der Regierung für ein Gesetz, wonach für unbegrenzte Zeit wieder in Lokalen geraucht werden darf.

2. Mahrer übernimmt!

Running Gag auf Twitter, wonach ÖVP-Multifunktionär Harald Mahrer, der wegen seiner zahlreichen Posten in der Kritik steht, sogar als "logischer Nachfolger" für Christian Kern - dem zurückgetretenen Vorsitzenden der SPÖ - ins Spiel gebracht wurde.

3.  Kasperl und Petzi sind gerettet.

Allgemeines Aufatmen, weil Universalkünstler André Heller das Urania Puppentheater in Wien übernommen hat, das von der Schließung bedroht war, da der Direktor in Pension ging.

4. Kein Geheimdienst, der noch bei Trost ist, wird mit Österreich noch Daten austauschen – außer vielleicht den Wetterdienst.

SPÖ-Abgeordneter Jan Krainer in der Parlamentsdebatte über die BVT-Affäre.

 

5. Die Kandidaten für den negativen Spruch des Jahres 2018

 

1.     Genau das Gegenteil ist der Fall!

Bei manchen Kommentaren auf seiner Social Media Seite sieht sich FPÖ-Vorsitzender Strache wiederholt zu einer Reaktion veranlasst. Strache antwortet darauf oft einleitend: "Genau das Gegenteil ist der Fall!“

2.     Ich habe die Balkanroute geschlossen!

Behauptung von Bundeskanzler Kurz, die einem Faktencheck nicht standhält, da einige Nachbarstaaten am Balkan und die Türkei dafür verantwortlich waren, dass die Anzahl der Flüchtlinge stark zurückgegangen ist.

3.     Man kann sicher von 150 Euro im Monat leben.

Kernaussage des Interviews auf oe24.tv mit Sozialministerin Hartinger-Klein. Man werde trotz der geplanten Kürzung der Mindestsicherung "leben können", sagte Hartinger-Klein. Auf die Bemerkung des Interviewers, "wenn man von 150 Euro leben kann", antwortete sie: "Wenn man die Wohnung auch noch bekommt, dann sicher."

4.     Wer den Dienst in der Wehrmacht verweigert hat, ist ein Verräter, und Verräter soll man verurteilen und nicht seligsprechen.

In einem Leserbrief ausgedrückte Meinung über Franz Jägerstätter, der aus christlicher Überzeugung während des Nazi-Regimes den Kriegsdienst verweigerte und hingerichtet wurde. Der Leserbrief stammte von Hubert Keyl, kurzzeitiger Kandidat für einen Posten als Bundesverwaltungsrichter und einst enger Mitarbeiter des früheren Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf (FPÖ).