Das österreichische Wort des Jahres 2004

Wort des Jahres 2004

PENSIONSHARMONISIERUNG

Ergebnis

PENSIONSHARMONISIERUNG
151
Kampflächeln
73
Tortung
47

Begründung

  • Wort (Nr. 1)
  • Wort (Nr. 2)
  • Wort (Nr. 3)

Für die Wahl von „Pensionsharmonisierung zum Wort des Jahres 2004 waren drei Gründe ausschlaggebend:

(1) Die Pensionsreform und die damit verbundene Angleichung der verschiedenen Pensionssysteme war 2004 das ganze Jahr im öffentlichen Diskurs dominant. Das Wort „Pensionsharmonisierung“ kommt in den Medien in nicht weniger als 6.150 Artikeln österreichischer Tageszeitungen vor.

(2) Es ist eine Wortzusammensetzung, die wichtige Elemente der „österreichischen Seele“ anspricht: Harmonie und Pension.

(3) Sprachlich interessant ist es nicht zuletzt deshalb, weil es einerseits sehr positiv klingt, aber auf der anderen Seite auch einen stark verhüllenden Charakter hat. Denn es unterstellt zugleich, dass durch die „Harmonisierung“ alles friedlich und gerechter werden wird, verschweigt aber, dass einem großen Teil der Bevölkerung die Pensionen gekürzt werden. In seiner allgemeinen Bedeutung für „Altersversorgung“ ist „Pension“ ein Austriazismus, dem in Deutschland/Schweiz das Wort „Rente“ gegenübersteht. Zum Wort des Jahres ist es nicht zuletzt deshalb gewählt worden, weil von der Sache selbst alle Berufstätigen betroffen sind.


Graz, 13.12.2004 – Die Jury

Das Wort ist in seiner Zusammensetzung ein Widerspruch in sich, da man üblicherweise nicht kämpft bzw. zum Kampf bereit ist, wenn man lächelt. Das Wort tauchte im Zusammenhang mit dem Verhalten der ehemaligen österreichischen Außenministerin auf, die die EU-Sanktionen mit permanentem Lächeln bekämpfte.  Sie erntete dafür sowohl Bewunderung, als auch Ablehnung. Das Wort erlebte zuletzt anlässlich der Bundespräsidentenwahl und der Erstellung der neuen EU-Kommission eine Renaissance. Das Verhalten, das es bezeichnet, scheint unter österreichischen PolitikerInnen eine beträchtliche Anzahl von NachahmerInnen gefunden zu haben.


Graz, 13.12.2004 – Die Jury

Hier handelt es sich um eine sprachliche Neuschöpfung, die eine handgreifliche politische Protesthandlung sehr prägnant zum Ausdruck brachte. Das Wort ist eine Spontanbildung, das als Basis das ebenso spontan entstandene Verb „torten“ zurückgeht. Es steht für das Bewerfen mit Torten und wurde nach dem Vorfall im Audimax der Uni Wien von Kolumnisten zur Berichterstattung über ähnliche „Tortungsvorfälle“ im In- und Ausland benutzt.


Graz, 13.12.2004 – Die Jury

Unwort des Jahres 2004

Bubendummheiten

Ergebnis

Bubendummheiten
142
SICHERUNGSHAFT
 
Austrokoffer
 

Begründung

  • Unwort (Nr. 1)
  • Unwort (Nr. 2)
  • Unwort (Nr. 3)

Mit dem verniedlichenden Wort „Bubendummheiten“ wurden schwere Verfehlungen im Zusammenhang mit Kinderpornografie durch einen hohen kirchlichen Würdenträger verharmlost. Unangebracht erscheint auch der großväterlich wohlwollende und zugleich beschwichtigende Ton, mit dem in patriachalischer Manier Vorfälle entschuldigt wurden, die nicht zu entschuldigen sind.
Das Wort nahm bei der Wahl einen Spitzenplatz ein und scheint viele Irritationen ausgelöst zu haben.


Graz, 13.12.2004 – Die Jury

Hier handelt es sich um ein klassisches Unwort, indem das Wort oberflächlich betrachtet vermuten lässt, dass damit gemeint ist, dass gefährliche Verbrecher in Haft genommen („gesichert) werden. Tatsächlich ist damit die  Verschärfung der Asylgesetze gemeint, die vorsieht, dass Asylbewerber in Haft genommen werden können, damit sie nicht um Asyl ansuchen können und leichter abgeschoben werden können.

Hier handelt es sich auf Grund der diversen möglichen (negativen) Konnotationen zu „Koffer“  um eine misslungene Wortbildung, die wesentlich zum Scheitern einer positiv gemeinten Initiative beitragen hat.

Spruch des Jahres 2004

"Der Glücksfall namens PISA: Endlich ist Bildung ein Thema"

Ergebnis

"Der Glücksfall namens PISA: Endlich ist Bildung ein Thema"
 

Begründung

  • Spruch (Nr. 1)

Beim Ausspruch des Jahres 2004 handelt es sich um eine Schlagzeile der „Kleinen Zeitung“ (Graz), die der Jury besonders gelungen erscheint. Tatsächlich hat die PISA-Studie eine breite Diskussion um den Stellenwert von Bildung, Schule und Ausbildung ausgelöst, was angesichts der Vernachlässigung dieses Themas in den vergangenen Jahren einen Glücksfall darstellt.


Graz, 13.12.2004 – Die Jury

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