Das österreichische Wort des Jahres 2005

Wort des Jahres 2005

SCHWEIGE-KANZLER

Ergebnis

SCHWEIGE-KANZLER
105
Weitere, in die engere Wahl gekommene Wörter waren: Vogelgrippe, Gedankenjahr, Parallelgesellschaft, gefühlte Inflation
102

Begründung

  • Wort (Nr. 1)
  • Wort (Nr. 2)

(1) Das Wort kam zwar in den Medien nicht häufig vor, wurde aber zur Überraschung der Jury von den Internetwählern und darauf basierend auch von der Jury an die erste Stelle gesetzt.

(2) Der Begriff thematisiert einen Widerspruch zwischen den Erwartungen, die an ein zentrales politisches Amt gestellt werden und dem zuweilen gegenläufigen Eindruck, der in der Öffentlichkeit hinsichtlich der zurückhaltenden Mitteilungsbereitschaft seitens des Regierungschefs zu manchen aktuellen politischen Fragen entstanden ist.

(3) Sprachlich gesehen handelt es sich um eine Wortzusammensetzung, bei der das Bestimmungswort „Schweigen“ inhaltlich einen Widerspruch zum Grundwort „Kanzler“ ausdrückt und damit im Wort eine gewisse Spannung erzeugt. Das Wort ist deshalb im Vergleich zum zweitgereihten „Vogelgrippe“ sprachlich interessanter, was seine Wahl zum Wort des Jahres begünstigt hat.


Graz, 12.12.2005 – Die Jury

Unwort des Jahres 2005

Negativzuwanderung

Ergebnis

Negativzuwanderung
98
Weitere, in die engere Wahl gekommene Un-Wörter waren: Voting, Der Speck!, vor Ort, angedacht , die Möchtegernösterreicher
 

Begründung

  • Unwort (Nr. 1)
  • Unwort (Nr. 2)

(1) Das Wort wurde von den Internetwählern und von der Jury an die erste Stelle gesetzt. Es ist ein Unwort, da es in mehrfacher Weise den gemeinten Inhalt verhüllt.

(2) Es drückt einerseits einen deutlichen Widerspruch in sich aus, da Zuwanderung eine Vermehrung der Bevölkerung bedeutet, die hier aber mit dem verneinenden Wortelement in ihr Gegenteil verkehrt wird. Das Wort Negativzuwanderung kann auf diese Weise verhüllend zum Ausdruck des Wunsches nach Abwanderung unerwünschter Personen in deren Heimatländer verwendet werden.

(3) Es ist darüber hinaus noch in anderer Hinsicht mehrdeutig, da damit auch gemeint sein kann, dass es eine negativ zu bewertende Form von Zuwanderung gibt.

(4) Das Wort steht in einer langen Reihe von Neubildungen technisch-bürokratischer Herkunft, die alle mit dem Element “negativ” gebildet werden (Negativkapital, Negativwachstum usw.).


Graz, 12.12.2005 – Die Jury

Spruch des Jahres 2005

Österreich ist frei!

Ergebnis

Österreich ist frei!
 
Weitere, in die engere Wahl gekommene Sprüche und Un-Sprüche waren: Spruch: Das ist irreregulär! Es kann nur besser werden! Un-Spruch: Geiz ist geil; Der Speck muss weg! Pummerin statt Muezzin! Vieles anders, vieles besser. Paperlapap; es gibt keine Bildungsmisere !
 

Begründung

  • Spruch (Nr. 1)
  • Spruch (Nr. 2)

(1) Die Wahl der Jury fiel einstimmig auf diesen Spruch, weil er für Österreich Frieden, Freiheit und Demokratie bedeutet.  Er symbolisiert 50 Jahre Unabhängigkeit von fremden Mächten und eine kontinuierliche Entwicklung zu mehr Wohlstand.

(2) Die 1955 errungene Freiheit gilt heute als selbstverständlich, sodass die Jury mit der Wahl des Spruchs an jene anderen Zeiten erinnern möchte, als diese Freiheit nicht so selbstverständlich war und auch daran, wie glücklich sich Österreich schätzen kann, dass es seit der Verkündigung des Ausspruchs 50 Jahre Demokratie und Selbstbestimmung gewonnen hat.

(3) Es sei auch darauf hingewiesen, dass sich die Bedeutung des Spruchs seither verändert und eine neue Relevanz im Rahmen der EU-Mitgliedschaft gefunden hat.


Graz, 12.12.2005 – Die Jury

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