Das österreichische Wort des Jahres 2008

Wort des Jahres 2008

LEBENSMENSCH

Ergebnis

LEBENSMENSCH
1477
KROCHA
673

Begründung

  • Wort (Nr. 1)
  • Wort (Nr. 2)

Dieses Wort, das schon in der Autobiographie von Thomas Bernhard vorkommt, erlangte erneute Aktualität im Zusammenhang mit dem Verlust nahestehender Menschen und ist durch seine Grundbedeutung „der wichtigste Mensch meines Lebens“ überaus positiv besetzt. Es ist im heurigen Jahr im Zusammenhang mit dem Ableben zweier bekannter österreichischer Politiker mit unterschiedlicher Deutung und Wertung gebraucht worden. Seine Bedeutungsambivalenz und sein hoher emotioneller Wert machen „Lebensmensch“ zum Wort des Jahres 2008. Das Wort wurde aufgrund gegensätzlicher Verwendungsweisen von einer erheblichen Anzahl der WählerInnen auch als Unwort klassifiziert, jedoch von der überwältigenden Mehrheit der InternetwählerInnen vor allen anderen als Wort des Jahres gereiht.


Graz, 09.12.2008 – Die Jury

Hier handelt es sich um ein neues österreichisches Wort, das eine städtische Jugend- bewegung bezeichnet, die im abgelaufenen Jahr stark in Erscheinung getreten ist.
Ihr besonderes Kennzeichen ist hohe sprachlicher Kreativität und unangepasstes Verhalten. Sie ist die erste derartige österreichische Jugendkultur seit Jahrzehnten, die durch sprachliche Originalität gekennzeichnet ist und für die die Lebendigkeit der österreichischen Jugendkultur steht. Das macht diese Jugendbewegung interessant, aber auch zur Angriffsfläche von Personen, denen jegliche Art von Anderssein missfällt.


Graz, 09.12.2008 – Die Jury

Unwort des Jahres 2008

GEWINNWARNUNG

Ergebnis

GEWINNWARNUNG
569
HEIMATPARTEI
560
KULTURDELIKT
264

Begründung

  • Unwort (Nr. 1)
  • Unwort (Nr. 2)
  • Unwort (Nr. 3)

Dieses Wort erlangte aufgrund der weltweiten wirtschaftlichen Schwierigkeiten große Aktualität und eine erhöhte Verwendungshäufigkeit. Darüber hinaus ist es aus sprachlicher Sicht interessant, das es scheinbar vor Gewinnen warnt, tatsächlich aber Verluste bzw. verminderte Gewinne meint. Es ist damit ein Wort, das die wahren Sachverhalte in höchstem Maße verschleiert und so sowohl in Inhalt als auch in seiner Verwendung für jene undurchsichtigen Vorgänge steht, die derzeit in der Finanz- und Bankenwelt vor sich gehen.


Graz, 09.12.2008 – Die Jury

Dieses harmlos und positiv klingende Wort steht in einem österreichspezifischen Kontext, der es zu einem Unwort macht. Tatsächlich bezweckt es die Monopolisierung des Begriffs „Heimat“ durch eine bestimmte politische Gruppierung und den Ausschluss aller anderen Auffassungen von Heimat. Es stellt eine Anmaßung in Bezug auf andere politische Gruppierungen dar, da es diese zu Nicht-Heimatparteien, d.h. zu Fremdparteien macht. Es ist wohl kein Zufall, dass solche Begriffe vor allem auch von politischen Organisationen verwendet werden, die in totalitär und nationalistisch ausgerichteten Ländern tätig sind.


Graz, 09.12.2008 – Die Jury

Dieser Begriff stammt von der derzeitigen Innenministerin, die im Wahlkampf 2008 erklärte, es müsse für Verbrechen wie Ehrenmord oder Zwangsheirat ein eigener Strafrechtsparagraphen geschaffen werden. Zum Unwort wird dieses Wort, weil derartige Delikte schon durch andere Paragraphen abgedeckt sind und darüber hinaus mit dem Begriff selbst die Kultur von Zuwandern symbolisch und pauschal zu einem Delikt gemacht wird.


Graz, 09.12.2008 – Die Jury

Spruch des Jahres 2008

"Wir haben nur unsere Stärken trainiert, deswegen war das Training heute nach 15 Minuten abgeschlossen." (J. Hickersberger, österr. Fussballnationaltrainer, EM 2008)

Ergebnis

"Wir haben nur unsere Stärken trainiert, deswegen war das Training heute nach 15 Minuten abgeschlossen." (J. Hickersberger, österr. Fussballnationaltrainer, EM 2008)
200

Begründung

  • Spruch (Nr. 1)

Hier handelt es sich um einen elegante und witzige Umschreibung bestimmter Verhältnisse im österreichischen Fussball, die in bester literarischer Tradition der österreichischen Selbstironie steht und so ein würdiger Spruch des Jahres ist.


Graz, 09.12.2008 – Die Jury

Unspruch des Jahres 2008

"ES REICHT!"

Begründung

  • Unspruch (Nr. 1)

Diese Äußerung wird zum Unspruch des Jahres 2008, da er das wichtigste politische Ereignis des laufenden Jahres – die Neuwahlen – einleitete, in ihrer Endgültigkeit keine Alternativen ließ und damit das ganze Land vor vollendete Tatsachen stellte. Es signalisiert einen völligen Kommunikationsabbruch sowie die Weigerung, sich mit Sachinhalten auseinanderzusetzen, für die man eigentlich gewählt worden war.

Graz, 09.12.2008 – Die Jury

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