Das österreichische Wort des Jahres 2009

Wort des Jahres 2009

AUDIMAXISMUS

Ergebnis

AUDIMAXISMUS
841
KUSCHELKURS
248
UNGUSTLVERMUTUNG
147

Begründung

  • Wort (Nr. 1)
  • Wort (Nr. 2)
  • Wort (Nr. 3)

Dieses Wort entstand im Rahmen der neuen Studentenbewegung, die mit der Besetzung des größten Hörsaals der Universität Wien – des Auditorium Maximum, kurz Audi Max – begann und davon abgeleitet ist. Es wurde von den Internetwählern zu Recht weit vor allen anderen gereiht, weil durch die Studentenbewegung erstmals seit langem wieder ernsthaft und umfassend über Bildung diskutiert wird. Bei dem Wort selbst handelt es sich um eine originelle Wortschöpfung, die eine Fülle von Assoziationen weckt. Es steht sowohl für den Wunsch der Studierenden nach maximaler Verbesserung ihrer Studien­bedingungen, als auch für den Wunsch, bei der Politik Gehör (audi = lat. höre) zu finden. Die lautliche Ähnlichkeit zu (Austro)marximus kann von den Gegnern der Bewegung verwendet werden, um diese in eine linke Ecke zu stellen, sodass diesem Wort durchaus eine gewisse Mehrdeutigkeit innewohnt, die seine Attraktivität verstärkt.


Graz, 10.12.2009 – Die Jury

Die Qualität dieses Wortes besteht darin, dass es ein typisch österreichisches Phänomen – den Wunsch nach Harmonie und Ausgeglichenheit – auch in der Politik – präzise bezeichnet, was im Kontext demokratischer Systeme jedoch problematisch erscheint, da diese durch den Wettstreit der Ideen und der Diskussion darüber mit Leben erfüllt werden.


Graz, 10.12.2009 – Die Jury

Auch dieses Wort ist eine typisch österreichische Prägung aus einem Kabarettprogramm, die den presserechtlich vorgegebenen Satz „Es gilt die Unschuldsvermutung“ für Beklagte in laufender Verfahren karikiert und zugleich darauf anspielt, dass das Wort „Ungustl“ im Österreichischen Deutsch unangenehme und „ungustiöse“ (unappetitliche) Menschen bezeichnet, die nicht geschätzt bzw. „goutiert“ werden.


Graz, 10.12.2009 – Die Jury

Unwort des Jahres 2009

ANALOGKÄSE

Ergebnis

ANALOGKÄSE
402
EXILJUDE
314
HERKUNFTSKRIMINALITÄT
178

Begründung

  • Unwort (Nr. 1)
  • Unwort (Nr. 2)
  • Unwort (Nr. 3)

Hierbei handelt es sich aus sprachlicher, wie auch aus sachlicher Sicht um ein Unwort, da es für einen Etikettenschwindel steht. Das damit bezeichnete Produkt hat mit Käse nichts zu tun, sondern ist diesem nur „analog“ nachgebildet, d.h. es handelt sich um ein Imitat. Sprachlich wird jedoch aufgrund der deutschen Wortbildungsregeln der Eindruck erweckt, dass es sich doch um „Käse“ handelt. Dass gerade dieses Wort von den InternetwählerInnen an die erste Stelle gereiht wurde, hat wohl auch damit zu tun, dass den ÖsterreicherInnen unverfälschte  Lebensmittel äußerst wichtig sind.


Graz, 10.12.2009 – Die Jury

Dieses Wort wurde im Laufe eines Wahlkampfes gegenüber einem Amtsträger in doppelt abwertender Absicht wahrheitswidrig verwendet. Es kombiniert zwei Begriffe, die in Österreich von Teilen der Bevölkerung immer noch negativ verstanden werden, sodass sie unter Ausnutzung seiner abwertenden Bedeutung als Wahlkampfargument verwendet werden konnten.


Graz, 10.12.2009 – Die Jury

Das Wort unterstellt, dass jemand allein schon aufgrund seiner/ihrer Herkunft kriminell handelt oder dazu fähig ist, was gegen die Menschenrechtskonvention verstößt. Es wurde von einer ranghohen Politikerin im öffentlichen Diskurs geprägt und gehört mittlerweile sogar zum Begriffsinventar der Ermittlungsbehörden.


Graz, 10.12.2009 – Die Jury

Spruch des Jahres 2009

"Reiche ELTERN für alle!"

Ergebnis

"Reiche ELTERN für alle!"
 

Begründung

  • Spruch (Nr. 1)

Dieser ironisch gemeinte Spruch steht im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Hochschuldiskussion; er weist darauf hin, dass unser Bildungssystem zu sehr auf den sozialen Status der Eltern ausgerichtet und nicht hinreichend durchlässig ist. Die Absurdität der Forderung verleiht dem Spruch Originalität und Zitatqualität.


Graz, 10.12.2009 – Die Jury

Unspruch des Jahres 2009

"Wer alt genug ist zum Stehlen, ist auch alt genug zum Sterben."

Ergebnis

"Wer alt genug ist zum Stehlen, ist auch alt genug zum Sterben."
 

Begründung

  • Unspruch (Nr. 1)

Dieser Ausspruch wurde im heurigen Jahr im Zusammenhang mit dem Einbruch in einen Supermarkt und dem Tod eines daran beteiligten Jugendlichen in einem Massenmedium kolportiert. Allein die Tatsache, dass ein solcher Satz in der medialen Öffentlichkeit verwendet wird, verweist auf ein erschreckendes Ausmaß an Menschenverachtung und das fehlende Rechtsbewusstsein, das sich seit einiger Zeit in manchen Medien ausbreitet.


Graz, 10.12.2009 – Die Jury

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