Das österreichische Wort des Jahres 2012

Wort des Jahres 2012

Rettungsgasse

Ergebnis

Rettungsgasse
548
Schulschwänzbeauftragter
127
präfrustriert
 

Begründung

  • Wort (Nr. 1)
  • Wort (Nr. 2)
  • Wort (Nr. 3)

Das Wort kam bei den InternetwählerInnnen und der Jury mit großem Abstand an die erste Stelle. Die Rettungsgasse wurde mit 01.01.2012 neu eingeführt und verpflichtet Autofahrer bei Unfällen an den linken bzw. rechten Rand der Straße auszuweichen, um den Rettungskräften und der Polizei Platz zu machen. Da dies nicht immer funktioniert und die Anwendung der Bestimmungen als verwirrend empfunden wurde, ist das Wort seither in aller Munde und Gegenstand von Diskussionen. Das Wort selbst ist im positiven Sinne mehrdeutig, da es als „Gasse, durch die man gerettet wird“ bzw. „Gasse, durch die die Rettung kommt“ verstanden werden kann, wobei der Ausdruck „Rettung“ nur in Österreich in der Bedeutung ‚Rettungsdienst‘ oder ‚Rettungswagen‘ verwendet wird.


Graz, 03.12.2012 – Die Jury

 

Dieses genuin österreichische Wort bezeichnet einen Beamten der Wiener Schulverwaltung, dem die Aufgabe übertragen wurde, Maßnahmen gegen das in der Bundeshauptstadt häufige Schwänzen der SchülerInnen zu entwickeln. Die Komik des Wortes ergibt sich einerseits aus dem stilistischen Kontrast (dem formalen „Beauftragten“ im Gegensatz zum subversiven „Schwänzen“), andererseits aus dem bedeutungsmäßigen Verhältnis der beiden Teile der Zusammensetzung: Während ein Brandschutzbeauftragter für den Brandschutz sorgen soll, soll der Schulschwänzbeauftragte wohl nicht für das Schwänzen sorgen. Das Wort ist weiters durch Lautwiederholungen (Alliterationen) sch-sch gekennzeichnet, was ihm eine besondere Ausdruckskraft verleiht.


Graz, 03.12.2012 – Die Jury

Dieses semantisch paradoxe Wort drückt aus, dass man in Hinblick auf das Ergebnis eines künftigen Ereignisses bereits im Voraus frustriert ist, weil man annimmt, dass es negativ ausgeht. Solches geschah aus Sicht der Wiener Jungsozialisten in Hinblick auf den jüngsten sozialdemokratischen Parteitag, der sie „präfrustrierte“, weil sie sich davon letztlich nichts erwarteten. Sprachlich handelt es sich hier um eine paradoxe Wortbildung, da man üblicherweise erst nach einem Ereignis frustriert ist und nicht schon vorher.


Graz, 03.12.2012 – Die Jury

 

 

Unwort des Jahres 2012

Unschuldsvermuteter

Ergebnis

Unschuldsvermuteter
425
Pleitegriechen
402
Anfütterungsverbot
264

Begründung

  • Unwort (Nr. 1)
  • Unwort (Nr. 2)
  • Unwort (Nr. 3)

Dieses genuin österreichische Wort, das geradezu nestroysche Qualität aufweist, ist von der Phrase „Es gilt die Unschuldsvermutung!“ abgeleitet, die aufgrund zahlreicher Korruptionsfälle in Zeitungsberichten zu lesen ist und andeutet, dass sich das Medium von den Anschuldigungen distanziert. Die Phrase wurde zuerst zu einem Adjektiv verkürzt und dann in ein Nomen umgewandelt, das in kürzestmöglicher Weise den negativen Sachverhalt der juristischen Schuld andeutet. Damit bewirkt es einerseits eine Vorverurteilung, verschleiert diesen Umstand jedoch zugleich, weil ja ausgedrückt wird, dass es sich um einen Unschuldigen handelt.


Graz, 03.12.2012 – Die Jury

Mit diesem negativen Wort wird eine Pauschalverurteilung aller Griechen ausgedrückt. Es bezieht sich jedoch nicht auf die Verursacher der Krise – die Banken, sondern die gesamte griechische Bevölkerung -, der unterstellt wird, dass sie arbeitsscheu und Bankrotteure wäre, was in doppelter Weise falsch und herabwürdigend ist.


Graz, 03.12.2012 – Die Jury

Dieses Wort ist in der Sache positiv, da damit das Verbot der passiven und allmählichen Bestechung von Amtsträgern bezeichnet wird. Sprachlich handelt es sich um einen Euphemismus, weil die Bestechung als „Anfütterung“ verschleiert wird und verharmlost wird. Normalerweise werden Tiere „angefüttert“, sodass nicht klar wird, was mit diesem Ausdruck tatsächlich gemeint ist.


Graz, 03.12.2012 – Die Jury

 

Jugendwort des Jahres 2012

leider geil

Ergebnis

leider geil
 
Zehentanga
 
urkeksi
 

Begründung

  • Jugendwort (Nr. 1)
  • Jugendwort (Nr. 2)
  • Jugendwort (Nr. 3)

VIDEO auf Youtube

Dieser Ausdruck wurde von den InternetwählerInnen mit großem Abstand vor anderen Wörtern gewählt. Es ist der Titel eines populären und humorvollen Songs der Gruppe Deichkind. Die Formulierung steht in einer Reihe ähnlicher jugendsprachlicher Ausdrücke wie cool, geil usw. ein, wobei der Ausdruck eine zusätzliche Qualität durch den ausgedrückten Gegensatz negativ-positiv bekommt. Damit folgt er dem Muster von Ausdrücken wie „schön schiach“, „schön anstrengend“ usw.


Graz, 03.12.2012 – Die Jury

 

Dieser Ausdruck bezeichnet auf originelle und sehr bildliche Weise Flip Flops. Er spielt auf die schmalen Riemen an, die den Fuß halten und eine große Ähnlichkeit mit den dünnen Streifen der knappen Tanga-Badeanzüge haben. Diese trägt man bekanntlich an völlig anderer Stelle als Schuhe, was dem Ausdruck eine paradoxe bzw. überraschende Bedeutung verleiht.


Graz, 03.12.2012 – Die Jury

Dieses Adjektiv bedeutet „super“, „toll“, „spitze“ und besteht aus dem positiv wertenden „keksi“, das eine Verkleinerungsform des Wortes „Keks“ darstellt und der vor allem im Großraum Wien üblichen Steigerungsform „ur“ (ursuper, urarg). Wenn etwas „urkeksi“ ist, dann ist es wahrscheinlich gleichzeitig „leider geil“.


Graz, 03.12.2012 – Die Jury

 

Spruch des Jahres 2012

"Ich trete nicht zurück, ich mache den Weg frei."

Ergebnis

"Ich trete nicht zurück, ich mache den Weg frei."
 
"I am going home now!"
 

Begründung

  • Spruch (Nr. 1)
  • Spruch (Nr. 2)

Dieser Ausspruch stammt von Gabriele Moser, Abgeordnete der Grünen im Parlament, die eine Zeit lang Vorsitzende des Korruptions-Untersuchungsausschusses war. Sie beendete mit dieser Aussage ihre Tätigkeit als Ausschussvorsitzende. Sie hat damit auf elegante Weise ausgedrückt, dass sie „zurückgetreten wurde“ und tat dies sowohl in sprachlicher, als auch in sachlicher Hinsicht in bestmöglicher Weise. Sie hat sich damit große Verdienste um die österreichische Demokratie erworben, da sie ein politisches Patt beendet und eine unangenehme Krisensituation durch demokratische Reife und sprachliche Eleganz entschärft hat.


Graz, 03.12.2012 – Die Jury

Dieser Ausspruch stammt vom österreichischen Extremsportler Felix Baumgartner, den er unmittelbar vor seinem Absprung aus einem Ballon in der Stratosphäre in 39 Kilometer Höhe getätigt hat. Der Ausspruch wurde seither zum geflügelten Wort.


Graz, 03.12.2012 – Die Jury 

Unspruch des Jahres 2012

"Das ist mir nicht erinnerlich."

Ergebnis

"Das ist mir nicht erinnerlich."
 
"Ich bin kein Politiker!"
 

Begründung

  • Unspruch (Nr. 1)
  • Unspruch (Nr. 2)

Dieser Ausspruch war in den Sitzungen des Korruptions-Untersuchungsausschusses des österreichischen Parlaments unzählige Male von ehemaligen oder aktiven Politikern, Lobbyisten und Konzernvorständen zu hören, womit sie wohl häufig Nichtwissen vortäuschten, so sie sich nicht zuvor ohnedies bereits der Aussage entschlagen hatten. Damit haben sich diese Personen nicht nur der Verantwortung entzogen, sie haben mit dieser altertümlichen Formulierung auch ausgedrückt, dass sie quasi hilflose Opfer ihrer Erinnerung seien.


Graz, 03.12.2012 – Die Jury

Dieser von Frank Stronach stammende Ausspruch ist ein klassischer Unspruch, da er in der Sache nicht den Tatsachen entspricht und die Intentionen seines Urhebers verhüllt. Stronach hat nicht nur eine Partei gegründet, er will auch die österreichische Politik in seinem Sinne verändern – alles Merkmale eines Politikers. Sollte gemeint sein, dass er bisher kein (Berufs-)Politiker war, dann hätte dies einer Präzisierung bedurft. Darüber hinaus ist es keine Schande, ein Politiker zu sein, sondern ein wesentliches Element der Demokratie, dass sich Menschen um die öffentlichen Angelegenheiten kümmern.


Graz, 03.12.2012 – Die Jury

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