Das österreichische Wort des Jahres 2014

Wort des Jahres 2014

situationselastisch

Ergebnis

situationselastisch
2891
Hypotopia
701

Begründung

  • Wort (Nr. 1)
  • Wort (Nr. 2)

https://www.youtube.com/watch?v=NmlZrx4Ow94

Das Wort wurde mit großem Abstand (42% der abgegebenenStimmen) an die erste Stelle gewählt. Bekannt wurde es durch eine Äußerung von Verteidigungsminister Gerald Klug beim Ministerrats-Pressefoyer am 18.02.2014. Er erklärte damit das mögliche Fernbleiben von Kanzler und Vizekanzler bei künftigen Pressefoyers. In dieser ursprünglichen Verwendung tarnt es negative Aspekte der heimischen politischen Praxis und täuscht Anpassungsfähigkeit in schwierigen tagespolitischen Situationen vor. Populär wurde der Begriff nicht zuletzt aufgrund seiner prägnanten Unverbindlichkeit, die verschiedene ironische Verwendungen ermöglicht – was sich auch in zahlreichen Karikaturen niederschlug. Aufgrund dieser Mehrdeutigkeit und begrifflichen Vielfältigkeit hat sich das Wort zwischenzeitlich von einem potentiellen Unwort zu einem geflügelten Wort entwickelt, was es zu einem würdigen Wort des Jahres macht.


Graz, 01.12.2014 – Die Jury

Name der Milliardenstadt Hypotopia, die von Studierendender TU Wien als Modell in Wien gebaut und ausgestellt wurde, um begreifbar zu machen, was man mit jenen 19 Milliarden Euro bauen hätte können, die der österreichische Staat für die Pleitebank Hypo-Alpe-Adria möglicherweise ausgeben muss. Der Begriff und das Projekt veranschaulicht die Verschwendung von Steuergeldern in großem Ausmaß, indem es mit dem Modell einer großartigen Stadt eine positive Alternative aufzeigt und damit das Ausmaß der Verschwendung erst vorstellbar macht.


Graz, 01.12.2014 – Die Jury

Unwort des Jahres 2014

Negerkonglomerat

Ergebnis

Negerkonglomerat
2119
GrünInnen
1536
Putinversteher
644

Begründung

  • Unwort (Nr. 1)
  • Unwort (Nr. 2)
  • Unwort (Nr. 3)

Ausdruck, den der ehemalige Spitzenkandidat Mölzer (FPÖ) im Europawahlkampf 2014 in einer Rede verwendete. Er bezeichnete damit die EU und ein seiner Meinung nach zunehmendes Chaos in der EU, das er u.a. auf  „Massenzuwanderung“ und „wirre Konzerninteressen“ zurückführte. Mölzer  stufte seine Aussage selbst als „bewusst total politisch nicht korrekt“ ein, was einer Untertreibung gleichkommt. Wird doch der rassistische Ausdruck „Neger“ durch „Konglomerat“, das sich vorwiegend auf Lebloses bezieht, noch zusätzlich verstärkt. Die auf diese Weise ausgedrückte rassistische und stark abwertende Bedeutung des Ausdrucks macht es zum Unwort des Jahres 2014. Es sollte im öffentlichen Diskurs und darüber hinaus keinen Platz haben.


Graz, 01.12.2014 – Die Jury

Eine ironisch-abwertende Wortschöpfung, die gegen die Grünen und deren Eintreten für eine geschlechtergerechte Sprache gerichtet ist. Hinsichtlich des Status als Unwort verlässt sich die Jury auf die 1541 Stimmen der WahlteilnehmerInnen, die sich damit vermutlich für eine geschlechtersensible Sprache ausgesprochen haben, ohne deren gelegentliches ironisches Potential zu übersehen.


Graz, 01.12.2014 – Die Jury

Jugendwort des Jahres 2014

Selfie

Begründung

  • Jugendwort (Nr. 1)
  • Jugendwort (Nr. 2)

Selbstdarstellung ist in – vor allem, aber nicht nur – bei Jugendlichen. Dazu eignen sich die mit Handys bei jeder Gelegenheit aufgenommenen Fotos von sich selbst oder anderen hervorragend. Das Wort steht für die Vorliebe vieler Jugendlichen für das schnelle Selbstporträt, das mit-teilt, wo man sich gerade befindet. Nicht unwesentlich ist auch, dass durch besonders schöne Fotos versucht wird, Lob (z.B. durch Likes) und Bewunderung zu bekommen, was das Selbstwertgefühl stärkt. Die hohe Zustimmung, die dieses Wort bei der Wahl gefunden hat, zeigt, dass es sich dabei um ein zentrales Element der heutigen Jugendkultur (und darüber hinaus) handelt.


Graz, 01.12.2014 – Die Jury

Steht für „grober Fehler“, „Versagen“ (von epic fail). Das Wort wird unter Jugendlichen für alles verwendet, was absolut schief geht oder nicht in Ordnung ist. Wenig überraschend handelt sich auch dabei um einen Anglizismus, der sich aus der Kommunikationspraxis der Jugendlichen und der starken Nutzung des Internets erklärt.


Graz, 01.12.2014 – Die Jury

Spruch des Jahres 2014

"Jetzt hat die uns den Schaas gwonnen!"

Ergebnis

"Jetzt hat die uns den Schaas gwonnen!"
2836
We are unstoppable
1478
"Die lange Bank ist Österreichs liebstes Möbel (B. Schilcher)
1224

Begründung

  • Spruch (Nr. 1)
  • Spruch (Nr. 2)
  • Spruch (Nr. 3)

Ist die überrascht-ironische Reaktion des österreichischen Moderators Andi Knoll (ORF) während der Live-Übertragung des Eurovisions-Songcontests 2014 auf den Sieg durch Conchita Wurst. Es handelt sich dabei nicht nur um einen originellen Ausspruch, sondern auch um eine Handlung, die große Spontaneität und Mut des Sprechers zeigt. Dieser Umstand und der erste Platz von Conchita Wurst machen den Satz zum Spruch des Jahres.


Graz, 01.12.2014 – Die Jury

Unspruch des Jahres 2014

Enthauptungen: „Das ist nicht jeden Freitag!“ (Ex-Justizministerin Claudia Bandion-Ortner über öffentliche Hinrichtungen in Saudi-Arabien)

Ergebnis

Enthauptungen: „Das ist nicht jeden Freitag!“ (Ex-Justizministerin Claudia Bandion-Ortner über öffentliche Hinrichtungen in Saudi-Arabien)
2459
Mehr Brutto vom Netto! (FPÖ-Aussendung)
1663
Ich hab ja nichts gegen Ausländer, aber…
1369

Begründung

  • Unspruch (Nr. 1)
  • Unspruch (Nr. 2)
  • Unspruch (Nr. 3)

Teil einer Antwort von Claudia Bandion-Ortner (Ex-Justizministerin und Generalsekretärin des Dialogzentrums Wien) im Rahmen eines Interviews auf die Frage, wie es sich mit den freitags stattfindenden Hinrichtungen in Saudi-Arabien verhält, also jenem Staat vom dem ein Großteil der Finanzierung des Dialogzentrums bestritten wird. Zum Unspruch wird die Äußerung, weil sie die wöchentlichen Hinrichtungen in Saudi-Arabien verharmlost. Erschwerend kommt hinzu, dass die Sprecherin das Amt der Justizministerin der Republik Österreich innehatte, in der die Todesstrafe seit mehr als 40 Jahren abgeschafft ist.

Rudolf Muhr 1999-heute © All rights reserved.