Das österreichische Wort des Jahres 2015

Wort des Jahres 2015

Willkommenskultur

Ergebnis

Willkommenskultur
1359
Intelligenzflüchtling
1265
filzmaiern
390

Begründung

  • Wort (Nr. 1)
  • Wort (Nr. 2)
  • Wort (Nr. 3)

Das Wort beschreibt Einstellungen und Handlungen, die angesichts des Leids von Kriegsflüchtlingen helfen, dass diese wieder ein Leben in Sicherheit und Freiheit führen können. Es wurde von den WählerInnen mit deutlichem Abstand (20% der abgegebenen Stimmen) an die erste Stelle gewählt. Der Begriff wurde zuvor bereits der Wirtschaftssprache verwendet (Willkommenskultur für neue MitarbeiterInnen). Er bekam 2015 im Zusammenhang mit der Flüchtlingsbewegung eine völlig neue Bedeutung, in der die gesamte Diskussion über den Umgang mit Flüchtlingen kulminiert.

Das in seiner Grundbedeutung positive Wort ist zugleich Anlass für die Debatte darüber, ob und in welchem Ausmaß Zuwanderung für das Land gut ist und ob man die Flüchtlinge willkommen heißen soll. Tausende Freiwillige haben sich dafür spontan eingesetzt. Die so gezeigte Willkommenskultur ist weitgehend die alleinige Leistung der zahlreichen Helferinnen und Helfer der österreichischen Zivilgesellschaft, die es geschafft haben, die Unbestimmtheit und das Zögern der Regierenden auszugleichen und ein Klima des Willkommens und des Vertrauens für die Flüchtlinge zu schaffen. Das Wort ist eine Anerkennung der großen Leistung der österreichischen Zivilgesellschaft in der gegenwärtigen schwierigen Situation.

Graz, 03.12.2015 – Die Jury – © Rudolf Muhr 2015

Diese Wortneuschöpfung wurde von den WählerInnen an die 2. Stelle gewählt (18% der abgegebenen Stimmen). Es greift die derzeitige Situation ironisch auf und verfremdet diese, da jemand, der „vor (seiner) Intelligenz“ flüchtet, nur als ‚Idiot‘ begriffen werden kann. In den sozialen Medien wird dieses Wort häufig für jene Personen verwendet, die dort Hasspostings absondern, die zumeist gegen Flüchtlinge, Zuwanderer und alle Menschen anderen geistigen Zuschnitts gerichtet sind.

Auch diese scherzhafte Wortneuschöpfung hat ihren Ursprung in den sozialen Medien. Sie ist vom Namen des Politikwissenschaftlers Peter Filzmaier abgeleitet, der als „exklusiver ORF-Analytiker für Analysen zu Wahlen und politischen Ereignissen“ (Kurier) und somit im Fernsehen dauerpräsent ist. Er ist damit gewissermaßen der „Herbert Prohaska des Politikkommentars“. Das Wort spielt darauf an, dass Prof. Filzmaier die seltene Gabe besitzt, auf alle Fragen spontan eine kompetent scheinende Antwort geben zu können.

Graz, 03.12.2015 – Die Jury

Unwort des Jahres 2015

besondere bauliche Maßnahmen

Ergebnis

besondere bauliche Maßnahmen
1294
Lügenpresse
1154
Kostendämpfungspfad
182

Begründung

  • Unwort (Nr. 1)
  • Unwort (Nr. 2)
  • Unwort (Nr. 3)

Dieser Euphemismus aus dem Munde der derzeitigen Innenministerin ist der direkte Gegenbegriff zum heurigen Wort des Jahres (Willkommenskultur). Er meint in Wirklichkeit einen kilometerlangen Zaun an der slowenischen Grenze, der Flüchtlinge abhalten soll, ins Land zu kommen. Der Begriff repräsentiert die Unentschlossenheit der österreichischen Regierenden im Umgang mit den Flüchtlingen, indem das Tabuwort „Grenzzaun“ vermieden, gleichzeitig aber zur Beruhigung von Teilen der Bevölkerung eine Maßnahme zur Abwehrder Flüchtlinge gesetzt wird. Es ist ein klassischer Fall österreichischer Politiksprache, die Klarheit und Eindeutigkeit vermissen lässt und die Bevölkerung durch bewusst gewählte Unklarheit verwirrt. Das Wort wurde mit 19% der Stimmen an die erste Stelle gewählt.

Graz, 03.12.2015 – Die Jury – © Rudolf Muhr 2015

Dieses stark abwertende Wort, das der Presse unterstellt, Lügen und Falschmeldungen zu verbreiten, hat eine lange Geschichte, da es bereits Mitte des 19. Jhds. und später vor allem in den 20er und 30er Jahren des vorigen Jhds. verwendet wurde. Damals wie heute war und ist das Wort ein Kampfbegriff der politischen Rechten. Es tauchte heuer im Zusammenhang mit der Flüchtlingsbewegung erneut auf, um positive Mediendarstellungen von Flüchtlingen als Manipulation und Lüge hinzustellen.

Graz, 03.12.2015 – Die Jury

Dieses typische Wort der Wirtschaftssprache meint in seiner neutralen Bedeutung eine Reihe von Maßnahmen, mit denen es gelingen soll, eine Sanierung bzw. einen höheren Gewinn zu erzielen, indem man die Kosten der Produktion usw. senkt. Es wird jedoch verhüllend auch dazu verwendet, die Begriffe „Entlassungen“ und „Betriebsschließungen“, die oft mit sog. „Kostendämpfungsmaßnahmen“ verbunden sind, nicht direkt zu nennen und die betroffenen ArbeitnehmerInnen in die Irre zu führen.

Jugendwort des Jahres 2015

zach

Ergebnis

zach
1434
rumoxidieren
1259
Gönnung
485

Begründung

  • Jugendwort (Nr. 1)
  • Jugendwort (Nr. 2)
  • Jugendwort (Nr. 3)

Dieser echte Austriazismus ist derzeit unter Jugendlichen stark in Verwendung. Seine ursprüngliche Bedeutung „zäh“ wurde massiv erweitert, sodass es heute jede Art Negatives meint und damit für alles verwendet wird, was mühsam, schwierig, problematisch usw. ist. Es ist ein Universalwort für alles, was nicht in Ordnung ist oder Schwierigkeiten macht und als Überbegriff bequem verwendbar. Das Wort wurde mit 24% der Stimmen an die erste Stelle gewählt.

Graz, 03.12.2015 – Die Jury – © Rudolf Muhr 2015

Dieses Spaßwort, das aus Deutschland übernommen wurde, ist die ironische Fortsetzung von „chillen“ (sich entspannen), das sich zur völligen Unbeweglichkeit – sprich absoluten Faulheit – steigern kann. Jemand, der rumoxidiert, ist einfach absolut faul.

Häufig verwendetes Wort, das ausdrückt, dass frau/mann sich (meistens in Bezug auf Es sen) etwas Exklusives, Außergewöhnliches geleistet hat (z.B. drei Kugeln eines teuren Eises oder himmlisch gute Pralinen). Das Wort ist eine ungewöhnliche Ableitung vom Verb „gönnen“, das eigentlich eine Dauer ausdrückt, während die „Gönnung“ den Genuss als punktuelles Ereignis beschreibt.

Graz, 03.12.2015 – Die Jury – © Rudolf Muhr 2015

Spruch des Jahres 2015

"Frankreich, wir kommen!"

Ergebnis

"Frankreich, wir kommen!"
2135
"Es sind Menschen, die kommen und Menschen die helfen!"
 
"Vom winde verVWt"
 

Begründung

  • Spruch (Nr. 1)
  • Spruch (Nr. 2)
  • Spruch (Nr. 3)

Die österreichische Fußball-Nationalmannschaft qualifizierte sich zum ersten Mal in der Geschichte sportlich für eine EM-Endrunde (Frankreich 2016). Österreich ist mit sieben Siegen, einem Remis und keiner einzigen Niederlage der Sieger in Gruppe G. Dieses außergewöhnliche Ereignis schlug sich gebündelt im Spruch: „Frankreich, wir kommen!“ nieder, den der Trainer der österreichischen Nationalmannschaft, Marcel Koller in einer Pressekonferenz mit Baskenmütze und Baguette launig und stolz verkündete. Der Spruch anerkennt die besondere Leistung des Trainers und der Mannschaft.

Graz, 03.12.2015 – Die Jury

Unspruch des Jahres 2015

"Ich bin kein Rassist, aber ..."

Ergebnis

"Ich bin kein Rassist, aber ..."
2362
"Frauen sind Menschen wie wir…" (F. Stronach)
 
"Wir haben den Krieg nicht angefangen." (Mitterlehner)
 

Begründung

  • Unspruch (Nr. 1)
  • Unspruch (Nr. 2)
  • Unspruch (Nr. 3)

Obwohl viele mit dieser häufig verwendeten Redewendung behaupten, kein/e Rassist/in zu sein, leiten sie damit in der Regel eine Äußerung ein, in der im Anschluss daran sehr oft abwertende, negative oder rassistische Meinungen über AsylantInnen, ZuwandererInnen, AusländerInnen usw. geäußert werden. Die Behauptung ist also ein reines Lippenbekenntnis. Zusammen mit den damit verbundenen negativen Äußerungen wurde es damit zum Unspruch des Jahres.

Graz, 03.12.2015 – Die Jury – © Rudolf Muhr 2015

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