Das österreichische Wort des Jahres 2019

Das Österreichisches Wort des Jahres feiert sein 20jähriges Jubiläum!

GESELLSCHAFT FÜR ÖSTERREICHISCHES DEUTSCH
PRESSEAUSSENDUNG ZUM 20JÄHRIGEN JUBILÄUM DER ÖWORT-WAHL

Das Österreichische Wort des Jahres feiert heuer sein 20jähriges Jubiläum. 1999 zum ersten Mal bestimmt, wurde es über den Zeitraum von 20 Jahren zu einem Fixpunkt des öffentlichen Lebens Österreichs, bei dem gegen Jahresende über die öffentliche Sprache und Kommunikation des jeweiligen Jahres in Österreich Bilanz gezogen wird.
Die Wahl zum Österreichischen Wort des Jahres wird von der Gesellschaft für Österreichisches Deutsch in Zusammenarbeit mit der Austria Presse Agentur und einer 11köpfigen Jury durchgeführt.
Seit 2000 wird die Wahl als zweistufige Publikumswahl über das Internet durchgeführt, wobei im ersten Durchgang relevante Wörter und Sprüche des Jahres gesammelt werden, aus denen die Jury dann 10 Kandidatenwörter und 3-4 Kandidatensprüche auswählt, die im zweiten Durchgang zur Wahl gestellt werden. In einer weiteren Sitzung bestimmt die Jury dann die Wörter und Sprüche des Jahres wobei als zentrales Kriterium die Anzahl der abgegebenen Stimmen gilt.
Gewählt wird in 5 Kategorien: 1. Wort des Jahres (seit 1999); 2. Unwort des Jahres (seit 2000); 3: Jugendwort des Jahres (seit 2010); Spruch des Jahres (seit 2001) und Unspruch des Jahres (seit 2006). Zahlreiche Wörter, Unwörter, Sprüche und Unsprüche haben in den allgemeinen österreichischen Sprachgebrauch Eingang gefunden oder den bereits vorhandenen Sprachgebrauch verstärkt.
Beispiele unter den Wörtern des Jahres sind: Haklerregelung (2003), Schweigekanzler (2005), Lebensmensch (2008), situationselastisch (2014), Willkommenskultur (2015 u.a.m.). Unter den Unwörtern stechen hervor: Besitzstandswahrer (2003), Negativzuwanderung (2005), inländerfreundlich (2013), Öxit (2016), alternative Fakten (2017). Auch unter den Jugendwörtern finden sich viele Wörter des informellen alltäglichen Sprachgebrauchs wie z.B. liken (2011), leider geil (2012), zach (2015), Oida (2018).
Bemerkenswerte Sprüche des Jahres waren „Bin schon weg – Bin schon wieder da! (Haider, 2003); „The world in Vorarl¬berg is too small.“ (Gorbach, 2007), „shortly, without von delay“ (Fekter, 2010); „„Mei Wien is net deppat!““ (Häupl, 2017). Und unter den Unsprüchen stechen hervor „Daham statt Islam!“ (2006, Kickl); „Wos woa mei Leistung?“ (Meischberger, 2011), „Sie werden sich noch wundern, was alles möglich ist.“ (2016, Hofer); „Man kann sicher von 150 Euro im Monat leben.“ (2018, Hartinger-Klein).
Die Anzahl der WählerInnen: Während am Anfang nur zwischen 500-600 Personen an der Wahl teilnahmen, waren es 2018 und 2019 11.000, die insgesamt 51.000 Einsendungen in den 5 Kategorien vornahmen. Die Anzahl der WählerInnen ist über die Jahre stetig gestiegen, dasselbe gilt für das Medienecho, das sich in zahlreichen Berichten in den verschiendenen Medien niederschlägt. Die WählerInnen haben in den 20 Jahren rund  20.000 Wortvorschläge und Vorschläge für Sprüche eingesandt und damit Sprache und Zeitgeschichte der letzten 20 Jahre dokumentiert.
Die Jury für das Österreichische Wort des Jahres bedankt sich bei den Wählerinnen und Wählerinnen und bei den Medien für die Berichterstattung. Ein besonderer Dank gilt der Austria Presse Agentur, die die Wahl von Anfang an unterstützt hat.
Rudolf Muhr
(Initiator des Österreichischen Worts des Jahres und
Vorsitzender der Jury)

Allgemeine Informationen zur Wahl 2019:
Die heurige Wahl fand vom 20.05.-01.12.2019 statt. Aufgrund der dramatischen politischen Ereignisse in der Folge der Ibiza-Affäre wurde die Webseite für die Vorwahl bereits im Mai online gestellt, was in kurzer Zeit 4.900 Einsendungen von 3500 Personen zur Folge hatte. An der eigentlichen Wahl nahmen 7500 Personen teil, die 36.000 Einsendungen in den 5 Kategorien vornahmen. Die Jury tagte am 02.12.2019 zum zweiten Mal und bestimmte anhand der Abstimmungsergebnisse die Wörter und Sprüche des Jahres 2019, die am 06.12.2019 via Austria Presse Agentur (APA) bekanntgegeben wurden. Aus den Einsendungen der Vorwahl wählte die Jury am 25.10.2019 die Kandidatenwörter und Kandidatensprüche aus.

Kandidatenwörter & Erklärungen

Wort des Jahres 2019

IBIZA

Ergebnis

IBIZA
2167
TEIGTASCHERLRAZZIA
1784
STRACHMATT
743

Begründung

  • Wort (Nr. 1)
  • Wort (Nr. 2)
  • Wort (Nr. 3)

Das Wort wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Wahl mit deutlichem Abstand auf den ersten Platz gewählt. Der Name der spanischen Ferieninsel wurde durch die vom „Ibiza-Video“ ausgelösten politischen Ereignisse zum zentralen politischen Schlüsselwort, das seit Mai 2019 das politisch-öffentliche Leben in Österreich dominiert hat und voraussichtlich weiter dominieren wird. Es ist angesichts dieser Ereignisse ein überaus treffendes Wort des Jahres, wobei ein geographischer Name durch politische Vorkommnisse eine spezifische Bedeutung für das öffentliche Leben Österreichs bekommen hat.

Dieser sehr österreichische Begriff vereint zwei gegensätzliche Ausdrücke: die kleinen chinesischen Teigtascherln und die damit verbundene „große“ Polizeiaktion einer Razzia. Einerseits wird damit eine gewisse Ironie des Begriffs erkennbar, andererseits wurde im Zuge dieser Aktionen organisierte Kriminalität im großen Stil aufgedeckt.

Originelle Wortneubildung aus Strache + (Schach)matt, die auf das (vorläufige?) Ende der politischen Karriere von Heinz Christian Strache anspielt.

Unwort des Jahres 2019

BSOFFENE GSCHICHT

Ergebnis

BSOFFENE GSCHICHT
2458
EINZELFÄLLE
942
ZÖPFERLDIKTATUR
914

Begründung

  • Unwort (Nr. 1)
  • Unwort (Nr. 2)
  • Unwort (Nr. 3)

Auch das Unwort des Jahres 2019 wurde mit deutlichem Abstand auf den ersten Platz gewählt. Es handelt sich dabei um eine typisch österreichische Verharmlosung, mit der Aussagen – konkret im „Ibiza-Video“ – zu Parteispenden und potentiell gesetzeswidrigen Deals heruntergespielt werden sollen.

Verhüllender Euphemismus, der die regelmäßig auftretenden Fälle von äußerst fragwürdigen und teilweise rechtsextremen Aussagen diverser FPÖ-Angehöriger und -Sympathisanten bezeichnet und von diesen zur Bagatellisierung verwendet wurde. Durch die hohe Anzahl solcher Vorfälle wurde der Ausdruck jedoch zu einem nur mehr sarkastisch verwendeten Begriff des politischen Lebens Österreichs.

Herabwürdigung der Klima-Aktivistin Greta Thunberg, mit welcher der FPÖ-Vorsitzende Norbert Hofer aufgrund eines äußerlichen Merkmals versuchte, ihr Engagement zu verunglimpfen, ihr diktatorische Anwandlungen zu unterstellen und sich dabei indirekt als Vertreter der Klimalüge zu erkennen gab.

Jugendwort des Jahres 2019

brexiten

Ergebnis

brexiten
1698
EHRENMANN / -FRAU
1218
random
391

Begründung

  • Jugendwort (Nr. 1)
  • Jugendwort (Nr. 2)
  • Jugendwort (Nr. 3)

Originelle Neuschöpfung in der Bedeutung „Sagen, dass man geht, während man dann aber eben doch nicht geht“ – analog zum „Brexit“ der BritInnen, der sich schon drei Jahre lang hinzieht und nicht zu einem Ende kommt.

Höchste Anerkennung für jemanden, der etwas Besonderes für dich tut – normalerweise ein(e) sehr gute(r) Freund(in). Wird bisweilen auch leicht ironisch angewendet.

Füllwort, das beliebig  angewendet werden kann und gleichzeitig dazu dient, eine Sache als beliebig oder nebensächlich abzutun.

Spruch des Jahres 2019

„Nur Mut und etwas Zuversicht, wir kriegen das schon hin.“ (BP Van der Bellen)

Ergebnis

„Nur Mut und etwas Zuversicht, wir kriegen das schon hin.“ (BP Van der Bellen)
2672

Begründung

  • Spruch (Nr. 1)

Klare und ermutigende Aussage von Bundespräsident Van der Bellen in seiner Rede am 21.05.2019 anlässlich des Ibiza-Skandals, der das politische Leben Österreichs erschütterte. Seine Aussage trug wesentlich zur Beruhigung des politischen Chaos nach dem Ibiza-Skandal bei.

Unspruch des Jahres 2019

ZACK, ZACK, ZACK (Heinz Christian Strache)

Ergebnis

ZACK, ZACK, ZACK (Heinz Christian Strache)
1694
„Ich glaube, dass das Recht der Politik zu folgen hat, und nicht die Politik dem Recht.“ (Herbert Kickl)
2387

Begründung

  • Unspruch (Nr. 1)
  • Unspruch (Nr. 2)

Zentrale Formulierung von Heinz Christian Strache im „Ibiza-Video“, mit dem dieser seine Vorgangsweise charakterisierte, die er bei der Entfernung missliebiger Journalisten der Kronen Zeitung nach deren Übernahme durch Oligarchen anzuwenden gedachte. Der Ausdruck entwickelte sich zum geflügelten Wort und hat sich innerhalb kürzester Zeit in einer neuen Bedeutung stark im allgemeinen österreichischen Sprachgebrauch verbreitet. Aufgrund dieses Umstands sah es die Jury als sinnvoll an, den eigentlich zweit gereihten Unspruch ausnahmsweise an die erste Stelle zu setzen.

Zentraler Ausspruch des früheren FPÖ-Innenministers Herbert Kickl, mit dem dieser sein grundsätzliches Politikverständnis kundtat, das eine Unterordnung der Justiz unter die Politik vorsieht und damit eine der grundlegenden Säulen der demokratischen Gesellschaftsordnung abschafft, wie dies in diktatorisch geführten Ländern häufig der Fall ist.

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